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Der Ortsname Ketsch

Mancher frühbesiedelte Ort vermag sich auf eine vorgeschichtliche Namensgebung zu berufen, die unter Umständen auch Hinweise auf sein Alter enthalten kann. Aufgrund der anfänglichen Schreibweisen des Ortsnamens Ketsch, der auch in seiner heutigen Form mitunter noch als sonderbar und eigenartig empfunden wird, kam es verschiedenlich zu Deutungen, die zun Ausdruck bringen, daß der Name vordeutscher, womöglich sogar keltischer Herkunft sei (Davon gingen wir auch aus; Amici ketz). Man muß zugeben, daß das Wortgebilde auf den ersten Blick wie ein erstarrtes Sprachdenkmal wirkt, das zudem noch oberflächlich gesehen, einen fremden Eindruck macht, weil ihm die Begrifflichkeit fehlt, die zum Beispiel den Endungen der alemanisch-fränkischen Siedlungsnamen, wie ... ingen, ... heim u. a., oder den neusprachlichen Bezeichnungen eigen ist. In einer Auslegung wird der Ortsname Ketsch als vordeutsch erklärt und gleichzeitig auf die sprachliche Verwandschaft mit Groß- und Kleinkötz im bayrischen Schwaben verwiesen. Diese Orte hießen im 13. Jahrhundert "Kezze" und sind nach einem dortigen Bachlauf benannt.

Diese Herleitung des Namens wird in jüngster Zeit  bezweifelt. Es gibt daneben einen Gesichtspunkt, der eine zeitliche Beziehung herstellen lässt zwischen den Merowingergrab am Seehaus und der Staatskolonisation der Franken. Demzufolge verdrängten die Franken durch die Niederwerfung der Alemannen einen Teil  der Bevölkerung und füllten das dünnbesiedelte Land mit den Einwanderern aus verschiedenen Stammesgebieten, unter anderem auch mir Chatten aus, die das heutige Hessen bewohnten.

Diese Kolonisten waren vermutlich Bauern und legten ihre Reihengräberfriedhöfe in der Nähe von Ortschaften an, so auch in Schwetzingen und vieleicht auch in Ketsch. Solche Umsiedlungen im Frühmittelalter stellen keinen ungewöhnlichen Vorgang dar. Andere Beispiele hierfür sind in Sachsensiedlungen an der Bergstrasse: Großsachsen, Hohensachsen und Lützelsachsen. Aus Nachträgen der Lorscher Kanzlei ist zu erfahren, daß es in Schwetzingen im 10/11. Jahrhundert eine Hessen-Hube gibt.

Bereits die Römer bezeichneten die Bewohner des östlich des Mittelrheins sich ausbreitenden germanischen Gaugebiets als Chatti oder Catti, gegen die sie Ende des 1. nachchristlichen Jahrhunderts einen Feldzug führten.

Eine Ähnlichkeit der Stammesbezeichnung der Chatten oder Katten mit der Ortsnamenform Ketsch ist nicht zu verkennen. Sie erhält noch Gewicht durch die sich die in fränkischer Zeit (5.-8. Jh.) erfolgte hochdeutsche Lautverschiebung, durch die sich die Mitlaute k in ch und t in tz oder ss umwandelten. Die alten Schreibweisen scheinen die Herleitung zu bestätigen: Keths (um1150); Kez, terra in Kez, Ketz (1156)(also doch, amiki ketz) Kezs (1159); Villa Chess, villis Chess, villis Ches, Chets, villis Chets (1163); grangia Kaz, Kaz, Kazze (1177); Kesch (1197); Kaytsch (1220/30); Kech, (1238); Kets (1249); Keths, Ketsh, Ketsh (1250); Kéczsche (1253/55) und Terra in Kazze (12. Jh.)

Vor allem sind es die großräumigen topographischen Bestimmungen wie Ketszervorst 1249 (= Ketscher Wald), Ketschouwe 14. Jh. (= Ketschau), Ketscher Bruch, Katzengraben, die zum Teil über den Gemarkungsbereich hinausgreifen und auf einen umfassenden Grunbesitz oder ein weites Nutzungsareal hindeuten, denen eine damit in Verbindung stehende Person bei der Namensgabe Pate gestanden haben mochte. Eas den Katzengraben betrifft, der südwestlich der Hohwiese die Gemarkungsgrenze bildet, so erinnert die Bezeichnung des Entwässerungsgrabens an die Redensart von den "blinden Hessen". Der Ausdruck soll auf eine Sage zurückgehen, nach der die Cherusker ihr Nachbarvolk, die Chatten, wegen dem Katzenbild in deren Feldzeichen in stammesfeindlicher Art als blid verspotteten, da Katzen bekanntlich blind zur Welt kommen.

Um gleich bei den sprachlichen Zusammenhängen bezüglich des Tiernamens Katze und älterer Schreibweisen des Ortsnamens Ketsch zu bleiben, sei angemerkt, daß die  Entwicklung des Wortes von german. Katton, Kattu über ahd. Kazza zu mhd. Katze geht. Diese Wortgruppe entspricht den lateinisierten Schreibformen des Ortsnamens, in dem auch ein verborgener Hinweis auf das frühere Vorkommen der Wildkatze in den oberrheinischen Sumpwäldern enthalten sein könnte. Der Name des aus dem Kraichgau kommenden Katzenbachs wird ebenfalls mit dem Tier, wenn auch nur mit der Hauskatze, in Beziehung gebracht. Vermutlich hat auch der Katzenbuckel, der vor Zeiten einmal Winterbuckel hieß, eine "tierische" Namensgebung erhalten. Doch es wird nicht ausgeschlossen, daß auch  auf diesen höchsten aller Odenwaldberge der Stammesname der Chatten übertragen wurde.

Obwohl im Lorscher Kodex die meisten Nachbargemeinden schon früh erwähnt werden, bleibt Ketsch (und Brühl) in dieser Urkundensammlung ungrnannt. Wohl fällt auf, daß die Mehrzahl der frühbezeugten Orte die typischen Namensnennungen vom Altsiedelungen wie Schwetzingen (766), Oftersheim (766), Hockenheim (769), Plankstadt (771), Insultheim (771), Altlussheim (881), haben, doch wird die Namensgebung vielfach auch auf eine Person zurückgeführt. Das trifft beispielsweise für Oftersheim (Heim des Ofteri), Hockenheim (. . . Hogo), Eppelheim (. . . Eppilo), Seckenheim (. . . Sicco) zu . Warum also sollte nicht auch ein chattischer Siedler der Ketscher Markung seinen Namen geliehen haben? Herkunftsnamen wurden zu allen Zeiten gern zur topographischen Kennzeichnung verwendet. In Heidelberg gibt es zum Beispiel einen Weinberg, der den Flurnamen "Der Ketscher" trägt und sicherlich an einen von hier weggezogenen und in der kurpfälzischen Residenz ansässig gewordenen Einwohner erinnert.

Die anders lautenden Erklärungen können jedoch keineswegs außer acht bleiben. In ihnen wird der seltsam klingende Ortsname so dargestellt, als entspräche er  nichts weiterem als den Lautgebilden "Kätsch" oder "Ketsch", die das Grimmsch Wörterbuch als Adjektiv im Sinne von "beiartig weich" und als Substabtiv in der Bedeutung von "schmierige, schleimige Masse" aufführt. Die hieraus resultierende Folgerung, wonach sich die Ansiedlung auf dem sumpfigen  Boden der Rheinniederung erhob, ist nicht ganz zutreffend, da Ketsch ja auf dem hochsandigen Hochgestade seinen Anfang nahm, auf dem sich auch der namensverwandte Ketscher Wald ausbreitet. Wie es scheint, greift E. Seyfried diesen Faden auf und belegt seine Auffassung über die Bedeutung des Ortsnamens Ketsch mit einem Auszug aus einer alten Schrift: "Alles, was man seud (siedet), wird davon ketsch und weich". Derlei Wortgebilde sind auch in anderen deutschsprachigen Gebieten gebräuchlich, so in Schlesien "ketschig", in Sachsen "kätschig", in Österreich "gratsch", in Bayern "gatz" und in der Schwiez "gätsch".

Darüber hinaus gibt es im Ellsaß den sinnverwandten Ausdruck "ketsch und wässeri" . Als Bekräftigung der Schlussfolgerung, wonach "ketsch" überall die selbe Bedeutung hat, nämlich "schmierig, weich und feuchtgündig", und im erweiterten Sinn mit "schlammig und sumpfig" ausgelegt werden muß, wird ans Sachs angeführt, von dem das Zitat stammt:,,,. . . ich mein, sie soll den Ketsch dran fressen!" Damit soll "sich Ekel holen" gemeint sein. In Tiroler Landesteilen, so wird argumentiert, ist das Wort "kötzgen" im Gebrauch, womit "sich ekeln" gemeint ist. Bei diesem Deutungsversuch wird also unterstellt, daß der Ortsname Ketsch lediglich in kurzer Form die von den ersten Siedlern angetroffenen Bodenverhältnisse ausdrücke. Entgegen dem auf archäologischen Erkenntnissen beruhendem Sachverhalt, wonach das Hochufer, auf dem auch Ketsch gegründet wurde, zu den bevorzugt besiedelten Hauptleitlinien zählt, äußert E. Seyfried die Meinung: "Ein schmieriges, sumpfiges Gebiet, im Schwemmland des Rheines gelegen, kennzeichnete den Platz der frühesten Niederlassungen . . . Weiß Gott, warum sich die ersten Bewohner diesen von Natur aus so wenig begünstigten Platz als Heimstätte wählten . . ."


Kath. Kirche von Ketsch, Brand von Wolfgang Weis 1998

Sicher ist, daß der Vulgärausdruck "kotzen" als etymologische Ausgangsform des Ortsnamens föllig ausscheidet, da er wahrscheinlich erst im 15. Jahrhundert als Intensivbildung aus dem spätmhd. Wort "koppen" (speien) entstand. Da die absolut überschwemmungssichere Lage des Ortes und die Beschaffenheit der hochgelegenen Diluvialterasse nicht ungünstiger bewertet werden können als die siedlungsgeographischen Voraussetzungen anderer vergleichbarer Rheinanliegergemeinden, träfe die auf die Bodenqualität abhebende Deutung nur dann zu, wenn die Namensgebung auf die Niederungsfluren, und hier auf die Ketschau, Bezug nehmen würde.

Wie Funde jedoch bezeugen, wurden das "Bruch" und das Hohwiesengebiet noch in fränkischer Zeit von Rheinläufen durchflossen, die die Ketschau zeitweise vom diesseitigen Ufergestade abschnitten. Somit scheint eine Herleitung des Ortsnamens von daher sehr fraglich. Eher ist der umgekehrte Vorgang denkbar, denn nach dem Ausweichen des Rheinstroms weiter nach Westen und der daraufhin erfolgten allmählichen Austrocknung der Altwässeraue, die aber weiterhin von Überschwemmungen bedroht blieb, dürften es vornehmlich Bewohner von Ketsch gewesen sein, welche die nur 2 km von hier entfernte Ketschau als erste erschlossen  und lanwirtschaftlich nutzten. Interessant ist diesbezüglich ein Quellenhinweis, in dem der im 13. und 14. Jahrundert üblichen Schreibform "Ketschouwe" der Zusatz ". . . oder Ketscher Wiesen genannt" angefügt wird. Eine andere Bezeichnung lautet "Au bei Ketsch"

Ein sprachlicher Zusammenhang zwischen dem sumpfigen Charakter der Niederungszone und dem Ortsnamen Ketsch könnte sich auch hinter der Benennung des Gewässerlaufs Kotlachgraben (auch Kothlachgraben geschrieben) verbergen, der vielleicht wegen seines schlammigen Betts so genannt wird (von Kot = Dreck, Schmutz und Lache = Wassersammlung; tröpfeln, sickern; langsam fließender Bach). Dieser Entwässerungslauf zieht vom Hockenheimer Torfloch Mörsch aus zum Herrenteich und mündet dort in der Nähe in den Rhein. Es fällt auf, daß das Sickergewässer den alten Rheinschlingen in der Marlach und im Schacher folgt und an dem Punkt, wo die Pfalzautobahn die Landstrasse 722 Thalhaus - Speyer kreuzt, jenen Bereich berührt, in dem sich eine Siedlung befunden haben soll, die im Mittelalter wahrscheinlich infolge Wassernot zur Wüstung wurde.

Um bei den klanglichen Resonanzen zu bleiben, die sich im Vergleich zwischen  lehmigen und teigigen Stoffen und dem Ortsnamen ergeben, ist auch der mundartliche Begriff "ketschig" (für weich und knetbar) zu nennen. Wenn man davon ausgeht, daß beim Essen die Speise zu einer breiartig verdaulichen Substanz zubereitet wird, ist auch das ostmdt. "katschen" , allem. "kätschen" und die Nebenform "ketschen" für "schmatzend kauen" dieser Kategorie zuzurechnen. Nicht ganz von der Hand zu weisen sind auch sprachliche Angleichungne, die aufgrund der unmittelbaren Lage des Dorfes am Strom auf die Namensbildung eingewirkt haben könnten. Hier ist vor allem an die synonyme Wortgruppe "Kescher" , "Käscher" , "Kätscher" oder Ketscher für "Fischfangnetz" (=Hamen) zu denken, die ohne weiteres dem Weesnzug eines alten Rheindorfs entsprechen würde, in dem schon immer Fischfang betrieben wurde.

Ohne Anspruch darauf zu erheben, daß sich ernstzunehmende Bezüge zu dem hiesigen Ortsnamen dazu ableiten lassen, sollen der Vollständigkeit halber noch die namensverwandten Orte Ketsche, Ketschenbach, Ketschendorf, Ketschhausen bei Coburg erwähnt werden. Und damit noch nich genug; denn der 1885 in Ketsch geborene und nach Montevideo / Uruguay ausgewanderte Heinrich Feuerstein schreibt an seine hier wohnhaften Verwandten: "Ketsch ist ein armenisches Wort". Eines Tages stieß er in der Zeitung auf eine Todesanzeige, die ein Armenier namens Ketsch betraf. Auch Ketschian ist ein armenischer Name. Im Palasch (Übersetzungsbuch) ist das Ketschboot als Zweimastenschiff mit gleichmäßig geformten Bug und Heck beschrieben, "wie es Enderle bei seinen See-, Rhein- und Schmugglerfahrten gebrauchte".

H. Feuerstein schildert in seinem Brief vom 14.01.1965, daß einige Zeit vorher drei Uruguayer eine Weltreise mit einem Ketschboot unternahmen. Das Boot wurde in Holland gebaut. Der Ketscher Auswanderer vermutet, daß Ketschendorf an der Spree seinen Namen deshalb bekam, weil es dort Ketschboote gab. Mag auf diese Weise auch Ketsch seinen Namen bekommen haben? Übrigens hielt der Mann, dessen Herz sehr an seiner alten Heimat hing, zur 800-Jahrfeier 1950 von der Gemeinde eine Beschreibung über die Entstehung des Dorfes Ketsch, der er entnahm, daß der Ortsname "lehmige, schmierige Erde" bedeute, was ihn jedoch nicht überzeugen konnte. Er meint: "Ketsch liegt auf einer Sandbank (Diluvialterasse) und nicht auf lehmiger, schmieriger Erde, demnach müßte es ja Lehmdorf oder Schmierigdorf heißen. "So der Kommentar eines unbefangenen urteilenden Heimatfreundes, der zwar laienhaft formuliert, aber von gesundem Menschenverstand diktiert ist und einige interessante Gesichtspunkte enthält.

Die Autoren der Amtlichen Kreisbeschreibung urteilen folgendermaßen: "Zwar wird der Ortsname, der erstmals um 1153 als Keths auftaucht und 1156 Ketz geschrieben wird . . . gern als vorgermanisch erklärt, doch ist das abwegig!" Als Beleg für diese These werden urkundliche und literarische Quellen angeführt und ergänzend hinzugefügt, daß es für den Ortsnamen aufgrund der späteren Überlieferung verschiedene Erklärungsmöglichkeiten gibt. Danach kommen die südlichen Mundartformen "ketschig", auch "kätschig" = schmierig, weich in Betracht. Zugleich wird aber offengehalten, daß im Gegensatz dazu das mhd. kes = fester Boden steht, das aber nur unsicher belegt ist. Es wird eingeräumt, daß auch andere Ableitungen nicht auszuschließen sind. Allerdings lässt die Auskunft des Sachverständigen keinen Zweifel darüber aufkommen, daß es sich in jedem Fall um eine Bezeichnung handelt, welche die natürliche Beschaffenheit des Platzes zum Ausdruck bringt. Dabei beruft sich der Verfasser auf Stellen, die schließlich wieder auf der bereits erwähnten Grimmschen Deutung im Deutschen Wörterbuch (19. Jh.) fußen.

In einem Flurnamenbuch findet sich die Definition bestätigt, wonach die Schreibart Ketsch die höchste Stelle, der höchste Punkt in der Mark oder Landschaft bedeutet. Diese Erklärung dürfte angesichts der tatsächlichen Lage des Ortes auf dem Hochgestade eher einleuchten als der Bezug auf die tiefer gelegenen Gemarkungsteile. Das Auftauchen eines Karl Ketsch aus München im Jahr 1959 zeigt, daß das Wort auch als deutscher Familienname auftritt. Gewisse lautliche Ähnlichkeiten sind auch in den allerdings mehr nddt. Formen Kote und Kate = einfache Häuslerwohnung, Hütte festzustellen. Sie lassen an die Behausung eines Fischers, Fährmanns oder Hubhofbauers als Ursprung des Dorfes denken. Auf einer französischen Landkarte ist Ketsch als "Keste" eingetragen.


Aus "Heimatchronik der Gemeinde Ketsch" von Robert Fuchs mit freundlicher Gehnehmigung des Autors

© Robert Fuchs

Weiter geht es mit Früheste Erwähnungen und Besitzverhältnisse . . .

 
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